WWW Logo

Abbildung 1: WWW Logo

Da mich die Einsatzmöglichkeiten von verschiedenen praxisorientierten Web 2.0 Tools im Fremdsprachenunterricht und vor allem in Deutsch als Fremdsprache interessieren, möchte ich diese im Weiteren erläutern. Der Leser bekommt einen Überblick über folgende Social-Software-Anwendungen: Weblogs, Wikis, Social Tagging und RSS. Außerdem wird auf verschiedene Verwendungsmöglichkeiten von diesen Tools im Fremdsprachenunterricht (DaF) eingegangen. Als Dozentin einer Sprachschule finde ich die Idee des „offenen Unterrichts“ mit den Zeiten ohne Anwesenheitspflicht besonders reizvoll. Manchmal haben die Ausländer in einem fremden Land nur durch die Fremdsprachenschule Kontakt zur Außenwelt, an der sie Deutsch lernen. Deswegen ist es wichtig, die Interaktion zwischen den Lernenden mithilfe von dem handlungsorientierten, problemlösenden offenen Unterricht zu gestalten. Weitere Software-Anwendungen dienen dazu, die „Persönliche Lernumgebung“ oder „Personal Learning Environment“ / PLE des Lerners sowie die Interaktion zwischen den Lernenden zu schaffen.

Schaffert und Kalz unterscheiden vier Bereiche von Social Software (Vgl. 2, s. 3):

  • Kommunikation: dazu gehören Diskussions- und Kommunikationsanwendungen wie Weblogs und Microblogging-Applikationen.
  • Kollaborative Entwicklung: damit wird gemeinsame Erstellung von Texten und anderen Produkten z.B. in Wiki-Systemen gemeint.
  • Kollaborative Anreicherung von Inhalten, wie z. B. in Form von Social Bookmarking oder Social Tagging
  • Vernetzung: dazu gehören verschiedene Arten der Vernetzungen von Geschäftskontakten und Bekanntschaften, z.B. LinkedIn, Xing, studiVZ, aber auch Anwendungen, die helfen, Personen mit ähnlichen Interessen zu finden und zu kontaktieren.

Unter Weblog versteht Murbach „ein auf einer Webseite geführtes und damit öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal.“ (1, s. 36) Der Name des Weblogs stammt aus der Zusammensetzung von Web und Log für Logbuch. Weblogs bieten die Möglichkeit, Inhalte in umgekehrt chronologischer Reihenfolge zu veröffentlichen – das heißt die neuesten Beiträge sind auf der Startseite des Blogs zu finden, ältere verschwinden in ein Archiv. Außerdem bestehen die Möglichkeiten, soziale Kompetenzen der Lernenden sowie den sozialen Austausch durch Blogs zu fördern. Die Blogautoren können andere Blogs kommentieren und auf Einträge anderer Teilnehmer mithilfe von Blogroll verweisen. (Vgl. 2, s. 3) Murbach unterscheidet zwischen Expertenblogs, Gruppenblogs, Hobbyblogs, Linksblogs und Familienblogs. Didaktisch kann man auch folgende Blogs unterscheiden:

  • Klassenblogs: Schulklassen können z.B. über verschiedene schulische Aktivitäten und Ereignisse bloggen, um die Eltern auf dem Laufenden zu halten.
  • Lehrerblogs: Lehrpersonen können mit ihren Kollegen und Kolleginnen z.B. die Methoden und Erfahrungen im Beruf austauschen.
  • Edublogs: Blogs rund um die Themen Lehren und Lernen, zu Bildung und Erziehung werden oft als Edublogs oder Bildungsblogs bezeichnet. (Vgl.hier)

Mehr zu den Weblogs im folgenden Youtube Video:

Als Wiki wird eine Sammlung von miteinander verlinkten Webseiten bezeichnet, die von den Teilnehmern in Zusammenarbeit aktiv bearbeitet werden können. Der Name wurde von dem hawaiianischen Wort wikiwiki („schnell“) abgeleitet. Das zurzeit weltgrößte Wiki ist die 2001 gegründete freie Enzyklopädie Wikipedia. Ein großer Vorteil der Wikis besteht darin, dass es eine Möglichkeit gibt, „gravierende Fehler zu korrigieren oder die Autoren des Beitrags darauf aufmerksam zu machen. Dadurch findet der Prozess der Dekonstruktion beim Lernen statt, d.h. die Alltagstheorien bzw. die Meinungen der Schüler und Schülerinnen werden zerstört und durch Konstruktion werden neue Meinungen und Inhalte bei Lernenden gebildet. In meinem nächsten Beitrag werde ich mich mit Wikis im Fremdsprachenunterricht auseinandersetzen.

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, was eine Wiki ist, schauen Sie sich dieses Video an:

Der Unterschied zwischen Weblogs und Wikis besteht darin, dass die ersten sehr prozessorientiert (Meinungsbildung und Diskussion) sind, während Wikis eher ergebnisorientiert (gemeinsam erstelltes Produkt als Ergebnis) sind. Weblogs zeichnen sich durch eher kurze spontane Texte aus, während Wikis ausführliche und sorgfältig bearbeitete Texte mit literarischen Verweisen enthalten. (Vgl. 1, s. 43)

Schaffert und Kalz betonen, dass Social Tagging bzw. Social Bookmarking auch zur Social Software gehören. Social Tagging ist eine Anwendung, mithilfe deren man einzelne Webseiten, Fotos und andere Inhalte „taggen“ kann, d.h. mit Schlagwörtern markieren. Diese markierten Schlagwörter können von allen Nutzern gesehen werden und erleichtern die Recherche im Internet. Wie es bereits erwähnt wurde, befinden sich die bekanntesten Services von Social Bookmarking unter www.delicious.com und www.diigo.com. Verschiedene Links können hier auf einer Seite gesammelt und den anderen Teilnehmern angeboten werden. (Vgl. 2, s.3)

Auf dem folgenden Video sehen Sie, wie man Social Bookmarking bzw. Social Tagging einfach und sehr anschaulich auf Englisch erklärt:

RSS-(Feeds) steht für „Really Simple Syndication“ und bedeutet eine Technologie zum Abonnieren von verschiedenen Webseiten-Inhalten. Nachdem der RSS-Feed abonniert wurde, erscheint er im Feed-Reader, einem Dienst, mit dem man verschiedene Inhalte auf eine Seite (z.B. in IGoogle) sammeln kann.

Der Unterschied zwischen Social Bookmarking und RSS ist wie folgt: mithilfe von Social Bookmarking kann man einzelne URL-Links auf eine Seite sammeln und anderen zur Verfügung stellen, indem RSS die ganzen abonnierten Inhalte auf einer Seite darstellen. Diese Inhalte können nur von einer Person bzw. vom Abonnent gesehen werden.

Abbildung 2: "Anwendungsmöglichkeiten von Web 2.0 Tools"

Anwendung von Social Software im Fremdsprachenunterricht:

  • Weblogs: Das Weblog kann man an einer Fremdsprachenschule als Lerntagebuch anwenden. Die Lernenden können da ihre Erfahrungen, Eindrücke vom Unterricht, Fragen und Probleme austauschen. Weblogs bieten den Lernenden eine Möglichkeit, einander besser kennen zu lernen, den Kontakt zu pflegen und mögliche Probleme zusammen zu lösen. Außerdem kann die Lehrperson in Form von Blogs verschiedene schriftliche Hausaufgaben aufgeben, z.B. „Schreiben Sie einen Brief, eine Einladung an ihren Freund, einen Kommentar über… usw.“ Weil der Lernende seinen Blog selbst und interaktiv (mit Bildern, Fotos, Videos u.a.) gestalten kann, steigt seine Motivation zum Unterrichtsstoff.
  • Wikis: In Form von Wikis kann man gemeinsam verschiedene Projekte gestalten. Als Vorschlag wären folgende Themen auf dem Niveau B1 (Vgl. 3): Freizeitbeschäftigungen der Schweizer sowie eigener Landsleute; populäre Berufe in der Schweiz und zu Hause; Zwischenmenschliche Beziehungen, Einkaufsgewohnheiten der Schweizer und eigener Landsleute und Umgang mit Geld, Reisen und Mobilität usw.
  • RSS-Feeds: Lernende können die Einträge voneinander in Weblogs per RSS abonnieren. Dadurch werden die Interaktion sowie soziale Kompetenzen der Schüler und Schülerinnen gefördert. Wenn Lernende fertig mit ihren Aufgaben sind, kann der Lehrer die Blogs auch abonnieren, um die Aufgaben zu überprüfen.
  • Social Tagging und Social Bookmarking: Weil ich auch im Sprachlabor tätig bin, muss ich die Lernende oft auf verschiedene Webseiten hinweisen, wo sie z.B. kurz vor der Sprachprüfung ihre Grammatik und andere Sprachkompetenzen üben können. Es wäre viel einfacher, wenn sie meine Links in Diigo zur Verfügung hätten.

Beispiele für Good-Practice Anwendungen:

Weblogs im Unterricht:

http://www.lehrer-online.de/lo-net2-audio-blog.php?sid=73970124320960933929867186718930

http://www.lehrer-online.de/emilia-galotti.php?sid=51120193630103453629867196719400

http://www.lehrer-online.de/meisterwerke-muenchen.php?sid=38785407951877450129872027204550

Wikis im Unterricht:

http://www.goethe.de/z/jetzt/dejart38/dejprv38.htm

http://www.lehrer-online.de/web-reportagen.php?sid=38785407951877450129872027202850

http://wiki.doebe.li/Beat/WikiUnterrichtsBeispiele

Verwendete Literatur:

  1. Murbach, Georges: Mit Web 2.0 das Internet aktiv mitgestalten, Bern, 2008
  2. Schaffert, Sandra, Kalz, Marco: Persönliche Lernumgebungen: Grundlagen, Möglichkeiten und Herausforderungen eines neuen Konzepts. In: Handbuch E-learning, 27. Erg.-Lfg., 2009
  3. Tomaszewski, Andreas, Perlmann-Balme, Michaela, Weers, Dörte: Themen aktuell 3, Kursbuch Deutsch als Fremdsprache, Würzburg, 2008
  4. www.youtube.com
  5. www.lehrer-online.de